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Landesverbandstag der Bäcker in Lingen

Die Bäcker kritisieren überbordende bürokratische Regelungen. „Ein Bäcker gehört in die Backstube und nicht an den Schreibtisch“, sagte Landesinnungsmeister Dietmar Baalk bei der Mitgliedertagung der Bäckerinnung Niedersachsen/Bremen in Lingen.

Baalk stieß bei den 70 Mitgliedern auf Gehör, als er die überbordenden bürokratischen Regelungen darlegte: „Die Betriebe leiden unter diesem enormen Dokumentierungsdruck. So schreckt man junge Menschen vom Bäckerhandwerk ab.“ Gute Produkte wolle man erstellen und sich nicht mit den Anweisungen, „die man sich da oben ausdenkt“, ständig auseinandersetzen. Die Politik vertreibe so die vielfältigen Bäckereibetriebe. Die Kontrollen und „ideologischen Einstellungen“ seien nicht mehr tragbar und führten zu immer höheren Kosten. „Wir backen für unsere Kunden beste Qualität. Kontraproduktive politische Reglementierung wollen wir nicht“, sagte Baalk.
„Bäckereien haben es heute schwer“, meinte Baalk weiter. Strukturwandel, Konzentrationsprozess und Wettbewerbsdruck bei schwankenden Material- und steigenden Personalkosten sowie der Fachkräftemangel seien spürbar. Über die Bäckerei von morgen könne man nur spekulieren, so der Landesinnungsmeister. Einkaufen per Smartphone, Verkauf durch Roboter oder Brötchentüte per Drohne? Alles sei möglich – an der Backwarenqualität werde sich jedenfalls nichts ändern.


Peter Voss, Präsident der Handwerkskammer (HWK) Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim, verglich die boomende Wirtschaftsregion mit einem „perfekt aufgehenden Hefeteig beim Bäckermeister“. Die positive Geschäftslage sei eine „zuckersüße Erfolgsglasur“, auf die man stolz sein könne. Der Glanz werde jedoch getrübt durch den altersbedingten Rückgang von Meisterbetrieben. Auch der Lehrlingsrückgang in vielen Betrieben sei für die Misere verantwortlich. Die Politik müsse mal „richtig durchgeknetet werden“, so Voss.


Lingens Oberbürgermeister Dieter Krone unterstützte in seinem Grußwort die Anliegen der Bäcker. Mit mehr als 3000 Brot- und Backwarensorten sei das Bäckerhandwerk in Deutschland einzigartig. Er dankte den mehr als 11 500 Meisterbetrieben für ihre Individualität und Teamarbeit. „Als Geschäftsinhaber sorgen Sie mit ihrer Risikobereitschaft auch in Lingen für ein reichhaltiges Angebot von höchster Qualität“, sagte Krone. Er mahnte generell im Handwerk eine „vernünftige Bezahlung“ an.


Auch die Kreistagsvorsitzende Ulla Haar dankte dem Verband. Sorge bereite ihr die generell hohe Abbrecherquote während der Ausbildung. Sie dankte dem Schulträger, den Schulen und Ausbildungsbetrieben für ihr großes Engagement, den Herausforderungen in der Aus- und Weiterbildung gerecht zu werden.


Obermeister Heinz van Lengerich dankte der Bäckerinnung und der Kreishandwerkerschaft für ihre vielfältigen Aufgaben. Er verwies auf den 15. Mai, den „Tag des deutschen Brotes“. An der dann beginnenden Aktion „Ein Herz für Kinder“ nehmen 30 Innungsbetriebe teil und spenden pro Brot 30 Cent für einen guten Zweck.

 

Quelle: Lingener Tagespost - Johannes Franke